Warum KI kein Übersetzer ist

Maarit Arvola 17.01.2026

Bild generiert mit Midjourney

Zusammenfassung

Übersetzer übersetzen, KI generiert

Ein KI-Übersetzer trifft statistische Wahrscheinlichkeitsentscheidungen, das heißt, er errät das nächste Wort basierend auf einem Sprachmodell. Die KI versteht weder die tatsächliche Bedeutung des Textes noch dessen Auswirkungen.

Der KI-Übersetzer generiert also Zieltext, der in der Zielsprache wahrscheinlich erscheint. Das Problem ist unter anderem, dass die KI denselben Satz an verschiedenen Stellen oft unterschiedlich übersetzt. Dies macht den Text inkonsistent und kann im schlimmsten Fall das Verständnis des Inhalts erschweren.

Besonders bei der Übersetzung von Fachvokabular einer bestimmten Branche, also der Terminologie, sind Genauigkeit und Fachkompetenz gefragt. Falsch übersetzte oder inkonsistente Fachterminologie ist ein echtes Problem in der professionellen Kommunikation.

Sprachmodelle können beim Generieren von Zieltext auch halluzinieren, also fiktive Textinhalte produzieren, was für eine glaubwürdige Kommunikation oder kritische Inhalte besonders gefährlich ist.

Wie arbeitet ein professioneller Übersetzer?

Ein menschlicher Übersetzer liest und interpretiert, bevor er schreibt. Der Übersetzer trifft bewusste Entscheidungen, die unter anderem folgende Aspekte betreffen:

  • Zielgruppe: Sprechen wir mit einem Kunden, einem Experten oder einer Behörde?
  • Tonfall: Sachlich, inspirierend, formell oder locker?
  • Terminologie: Wird ein branchenüblicher Begriff oder der unternehmenseigene Begriff verwendet?
  • Bedeutungsnuancen und Assoziationen: Wie fühlt sich ein Wort an oder welche Dinge werden damit in der Zielsprache assoziiert (positiv/negativ, vertraut/fremd usw.)?

 

Die Berücksichtigung und Anwendung dieser Aspekte im Übersetzungsprozess wird als Übersetzungsstrategie bezeichnet. Alle vom Übersetzer getroffenen Übersetzungsentscheidungen basieren auf der gewählten Übersetzungsstrategie.

Übersetzen ist also keine mechanische Leistung und kein automatisches Umwandeln von Wörtern in eine andere Sprache, sondern ein komplexer kognitiver Prozess, bei dem der Übersetzer liest, interpretiert und ständig bewusste Entscheidungen trifft. Der Übersetzer übersetzt nicht nur Wörter, sondern Bedeutungen, Konnotationen und kulturelle Bezüge.

Was gehört zu den Arbeitsschritten eines Übersetzers?

Der Übersetzungsprozess eines Profis umfasst die folgenden Phasen. Einige dieser Schritte überschneiden sich:

  1. Die Übersetzung erfolgt mit einem CAT-Tool (Computer-Assisted Translation): Projekterstellung, Import der Dateien in ein übersetzbares Format, Segmentierung des Textes.
  2. Rohübersetzung / Entwurf (auch KI-gestützt).
  3. Informations- und Terminologierecherche (Produkt, Branche, Paralleltexte, kundeneigene Glossare und/oder Brand Voice).
  4. Erstellung und Pflege einer Termbank (Konsistenz von Fachbegriffen = derselbe Begriff wird im gesamten Text immer gleich übersetzt).
  5. Korrekturlesen und Überprüfung (Inhaltliche Übereinstimmung von Ausgangs- und Zieltext, Stil, Zahlen, Namen, Links usw.).
  6. Qualitätssicherung entweder mit den internen Werkzeugen des CAT-Tools und/oder unter Verwendung eines externen Prüfprogramms (mögliche überflüssige Wiederholungen, fehlende Tags, Zahlenfehler, Konsistenz der Begriffe usw.).

 

Übersetzer sind „präzise Präzisierer“, die den Ausgangstext verarbeiten, die notwendige Hintergrundrecherche durchführen, ihre Übersetzungsentscheidungen auf Basis ihrer Fachkompetenz definieren und dafür sorgen, dass dem Kunden durch die Übersetzung keine Risiken, Schäden oder Imageschäden entstehen.

Wie generiert die KI Übersetzungen?

Ein KI-Übersetzer trifft Wahrscheinlichkeitsentscheidungen, die auf seinem Sprachmodell und dessen Einstellungen basieren. Die KI ist sich nicht bewusst, was sie weiß oder was sie nicht weiß. Die KI nimmt auch die Welt um sie herum nicht wahr und trifft somit keine bewussten Entscheidungen oder Wahlen.

Ein menschlicher Übersetzer hingegen ist sich der umgebenden Welt bewusst, ebenso wie dessen, was er aufgrund seiner Fachkompetenz, Ausbildung und Weltkenntnis weiß – oder nicht weiß.

Ein Sprachmodell ist darauf ausgelegt, Sprache zu erzeugen, nicht um Fakten zu überprüfen – daher sollte man KI-Erzeugnissen nicht blind vertrauen, sondern sie müssen überprüft werden. Ein Übersetzer hingegen sucht und verifiziert Informationen, bewertet Quellen und Paralleltexte und trifft auf dieser Grundlage begründete und verantwortungsvolle Entscheidungen.

Wo macht der KI-Übersetzer Fehler und wo ist er überraschend gut?

Die KI macht oft Fehler in folgenden Bereichen:

  • Derselbe Satz, unterschiedlicher Kontext: Verkauf vs. Bedienungsanleitung vs. Vertragstext – jede Textart erfordert eine unterschiedliche Übersetzung.
  • Idiome und Humor: Eine direkte Übersetzung funktioniert selten; sie ist oft völlig unsinnig oder albern.
  • Brand Voice: Die Übertragung von Stil und Markenstimme in die Zielsprache fällt der KI schwer.
  • Verantwortung und Rechtliches: Eine einzige Wortwahl oder eine ungenaue Satzstruktur kann die Bedeutung des Textes erheblich verändern.

KI ist bei bedachtem Einsatz gut darin, folgende Dinge zu tun:

  • Die Erstellung eines Entwurfs erfolgt schnell, was z. B. in der internen Unternehmenskommunikation nützlich ist.
  • Das Brainstorming alternativer Formulierungen ist praktisch.
  • Generierung von Übersetzungsvarianten, aus denen basierend auf dem Wissen oder der Fachkompetenz des Nutzers die am besten geeignete Version ausgewählt wird. Auf Basis verschiedener Versionen kann auch eine neue Übersetzung erstellt werden.
  • Zusammenfassungen und Kurzfassungen in der Zielsprache, die jedoch eine menschliche Faktenprüfung erfordern.

KI-Übersetzer vs. HI-Übersetzung

Bedarf

KI-Übersetzer

Übersetzer

Geschwindigkeit

Sehr schnell

Geschwindigkeit und Verfügbarkeit variieren

Brand Voice

Variiert, erfordert Steuerung

Kontrolliert und konsistent

Konsistenz der Terminologie

Unzuverlässig

Termbank, konsistente Terminologie

Rechtliches und Risiken

Halluziniert, Faktenprüfung nötig

Erkennt Risiken und prüft Informationen

Verantwortung für das Ergebnis

Der Nutzer

Professionelle Qualitätssicherung

Wann reicht eine KI-Übersetzung aus?

Wenn es sich handelt um:

  • Rohübersetzungen für den internen Gebrauch im Unternehmen.
  • Entwürfe verschiedener Übersetzungsvarianten.
  • Das Verständnis von Inhalten auf einer allgemeinen Ebene.

 

Auch in diesen Fällen sollte zumindest eine grobe Prüfung durchgeführt werden, um die Korrektheit von Inhalt und Text sicherzustellen.

Wann ist eine professionelle Übersetzung notwendig?

Wenn es sich handelt um:

  • Die Hauptseiten von Websites.
  • Leistungsbeschreibungen und Werbung.
  • Angebote, Verträge, Bedingungen, Sicherheits- und Bedienungsanleitungen.
  • Markenkommunikation.

Mögliche Lösung: Der Hybridprozess

  1. Das Unternehmen erstellt mithilfe von KI selbst einen Entwurf.
  2. Ein professioneller Übersetzer übernimmt das Post-Editing, die Terminologierecherche, die Vereinheitlichung der Terminologie sowie die Tonfall- und Qualitätssicherung. In diesem Fall beauftragt das Unternehmen den professionellen Übersetzer mit einer Sprachdienstleistung.

 

Das Ergebnis ist schneller als eine rein menschliche Übersetzung, aber zuverlässiger als eine reine KI-Übersetzung.

Beachte, dass eine KI-Übersetzung so ungenau und fehlerhaft sein kann, dass der menschliche Übersetzer den Text komplett neu übersetzen muss. In diesem Fall spiegelt sich dieser Mehraufwand auch im Preis der Sprachdienstleistung wider.

MENSCH VS. MASCHINE

Mensch oder Maschine? Lies weiter und lerne wer gewinnt.

Bei der Erstellung des Textes wurden folgende KI-Anwendungen als Hilfsmittel verwendet: ChatGPT 5.1 und 5.2, Custom GPT, Perplexity Pro und Gemini 3.